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Ein Leben für die Deister-Freilicht-Bühne

Zwei große Mimen überzeugen seit 50 Jahren durch Wahrhaftigkeit und einfühlsame Darstellungen / Zur Entspannung wandern beide im Hochgebirge

BAR­SIN­G­HAU­SEN (n­r). Auf der Bühne be­ste­chen sie seit 50 Jah­ren durch Wahr­haf­tig­keit und ein­fühl­same Dar­stel­lun­gen viel­schich­ti­ger Cha­rak­tere - ein­mal wort­ge­wal­tig und laut, dann wie­der lei­se, aber stets prä­sent: Wolf­gang Dreyer und Franz Schör­nig ha­ben durch ihre Rol­len auf der Wald­bühne und ihr Wir­ken im Vor­stand die Deis­ter-Frei­licht-Bühne mit ge­prägt.

Am 1. Juli 1959 trat Dreyer der Bühne bei und ü­ber­nahm seine erste Rolle 1961 in "­Die Jung­frau von Or­leans". Er wirkte bei vie­len In­sze­nie­run­gen mit, so­wohl in Er­wach­se­nen- als auch in Kin­der­stü­cken, die im Jahr 1969 auf In­itia­tive Dreyers erst­mals mit dem Mär­chen "Kö­nig Dros­sel­bar­t" ein­ge­führt wur­den. Es folg­ten die erste große Rolle im Kri­mi­nalstück "­Die Fal­le" (1973), die Hauptrolle in "­Die Spa­ni­sche Flie­ge" (1984) und viele wei­tere Dar­stel­lun­gen, zum Bei­spiel in "­Pe­ter­chens Mond­fahr­t" (2001), "­Die Schöne und das Biest" (2002) und Ronja Räu­ber­toch­ter (2006). Auch im ak­tu­el­len Stück "­Sim­ba, Kö­nig der Löwen", bei dem Ehe­frau Herma Re­gie führt, lässt sich Dreyer die Teil­nahme nicht neh­men. Im Vor­stand wirkte das un­er­müd­li­che Büh­nen­mit­glied neun Jahre als Kas­sie­rer und 30 Jahre als Vor­sit­zen­der. Im Jahr 2003 wurde Wolf­gang Dreyer für seine er­wor­be­nen be­son­de­ren Ver­dienste die Ver­dienst­me­daille des Ver­dienstor­dens der Bun­des­re­pu­blik ver­lie­hen. Für seine 20-jäh­rige Tätig­keit auf der Ver­band­sebene der nie­der­säch­si­schen Frei­licht­büh­nen wurde er eben­falls aus­ge­zeich­net. Eine be­son­dere An­er­ken­nung war fer­ner im Jahr 2000 die Ein­la­dung zum Emp­fang des Bun­desprä­si­den­ten Jo­han­nes Rau im Schloss Bel­le­vue. "Ein Le­ben, ein Reich­tum - die vie­len Rol­len be­deu­ten auch ein per­sön­li­ches Wachs­tum", kon­sta­tiert Ehe­frau Herma Dreyer, die mit Freude fest­stellt, dass in­zwi­schen vier Ge­ne­ra­tio­nen der Fa­mi­lie auf der Deis­ter-Frei­licht-Bühne ste­hen.

Ein­mal wort­ge­wal­tig und laut, dann wie­der grüb­le­risch und flüs­ternd: Auf der Bühne ist Franz Schör­nig ein Meis­ter des Fa­cet­ten­reich­tums. Mit sei­nem Spiel prägt er In­sze­nie­run­gen vir­tuos und als ein Prot­ago­nist, der für die Re­gis­seure Leit­cha­rak­ter be­sitzt. "Du musst fleißig sein. Ich lege Wert dar­auf, dass der Text stimmt und Si­cher­heit ge­ge­ben ist", be­tont Schör­nig. In die­sem Kon­text hatte Trau­gott Buh­re, ei­ner der größten Schau­spie­ler des deut­schen Thea­ters, der im ver­gan­ge­nen Jahr im Al­ter von 80 Jah­ren verstarb, kon­sta­tiert: "Ich kann nur ü­ber Ge­nau­ig­keit agie­ren und mich auch nur in Ge­nau­ig­keit wohl­fühlen. Die Phan­ta­sie ist das End­pro­dukt von Ge­nau­ig­keit, die Folge da­von. Ein­fälle sind ge­nau das Ge­gen­teil von Phan­ta­sie." Ob ein­fühl­sa­mer Schil­de­rer, Erzählen­der oder Dra­ma­ti­ker - durch mit­reißende Span­nung und große Far­big­keit nimmt Schör­nig sein Pu­bli­kum mit. 1960 wurde ihm die erste Tex­trolle in "Das Käth­chen von Heil­bronn" ü­ber­tra­gen. Er war in Pa­ra­de­rol­len als klas­si­scher Lieb­ha­ber und un­ter an­de­rem im "Faust" (1981), in der "Drei­gro­schen­oper" (1995), im "Weißen Röss­l" (1997), im "­Wirts­haus im Spess­ar­t" (1991) und als Pro­fes­sor Higg­ins in "My Fair La­dy" (2004) zu se­hen. "Ich bin ein großer Fan des Mu­sik­thea­ters. Es hat mir im­mer viel Spaß ge­macht zu sin­gen", so Schör­nig, der das gute Ver­hält­nis zu sei­nen Mit­spie­lern schätzt: "Wir sind so­gar ei­nige Male als Gruppe zum Wan­dern in den Ur­laub ge­fah­ren." Er wirkte eben­falls ü­ber 20 Jahre im Vor­stand der Deis­ter-Frei­licht-Bühne als 2. Vor­sit­zen­der, Ver­trau­ens­mann und Kas­sie­rer.

­Franz Schör­nig und Wolf­gang Dreyer ver­bin­det aber nicht nur das ge­mein­same Spie­len und Wir­ken für die Frei­licht­bühne - sie ha­ben in der Ver­gan­gen­heit zum Bei­spiel auch zu­sam­men Hoch­ge­birg­stou­ren un­ter­nom­men. Ih­nen ist die Liebe zu den Bret­tern, die die Welt be­deu­ten, deut­lich an­zu­mer­ken und es be­steht der Wunsch und die Hoff­nung, dass beide noch lange dem Pu­bli­kum in ih­rer un­ver­gleich­li­chen Art er­hal­ten blei­ben. Fo­to: nr

vom 28.07.2010 | Ausgabe-Nr. 31A

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